Kostolany-Analyse Mai 2016


Nach langer Zeit versuche ich mich mal wieder an einer Kostolany-Analyse, ob ich hier Erkenntnisse erziele, die ich bei den anderen Indikatoren übersehen habe.





Umsatz-Analyse:
Bei den Umsätzen, die ich mir schon länger nicht mehr angeschaut habe, sieht man im ersten Chart tatsächlich einen Bauch in den letzten Monaten. Der Bauch liegt auch ziemlich genau bei den bisherigen Höchstkursen.

Aktuell haben wir sinkende Umsätze bei sinkenden Kursen, was auch ein schlechtes Zeichen ist.

Allerdings sind die Umsätze verglichen mit z.B. 2007 nicht sehr hoch. Sofern uns ein Crash erwartet sehe ich höchstens eine Verbindung zu 2011.




Zinsentwicklung:
 

Die Zinsen wurden von der EZB im März gesenkt. Das ist lt. Kostolany ein gutes Zeichen. Anders sieht es aber bei der FED aus, die eher die Marschrichtung vorgibt. Hier wurden die Leitzinsen im Dezember 2015 angehoben.

Dass die Zinsen von einem lächerlich niedrigem Niveau auf ein immer noch lächerlich niedriges Niveau angehoben wurden, halte ich übrigens nicht für relevant. Für Kapitalanleger sind die Zinsen gestiegen und somit ist eine Anlage in Zinspapiere wieder interessanter geworden.



Rentenindikator:

Ein Teil meiner Zinsanalyse ist inzwischen auch der Rentenindikator. Der erste Chart der Gesamtpunkte liegt immer noch leicht im Plus und generiert somit noch kein Verkaufssignal.

Der zweite Chart vergibt Punkte je Indikator. Dieser Indikator ist schon länger und auch weiterhin im Minus.


IPOs:

IPOs sind lt. Kostolany kein positives, sondern ein negatives Zeichen. Um so mehr IPOs stattfinden, desto mehr Geld wird von der Börse abgezogen/abgezweigt. Und viele IPOs stehen für eine Übertreibung.



Investmentfonds:

Bei den Investmentfonds habe ich immer zwei Auswertungen, die ich aber schon lange nicht mehr aktualisiert hatte.

Die DAI wertet regelmäßig die Anzahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer aus.
Kostolany besagt, dass eine Überhitzung vorliegt, wenn alle an der Börse investiert sind. Wenn schon alle investiert sind, kann niemand mehr Aktien teurer kaufen.
Aktuell sieht man in den letzten Jahren wieder steigende Aktionärszahlen, allerdings noch deutlich unter dem Niveau von 2000. Somit sehe ich hier keine Überhitzung.

Dass die Werte noch auf einem höheren Niveau als vor 2000 sind, sehe ich auch nicht als Überhitzung an. Hintergrund ist hier sicherlich, dass heutzutage Aktien und Fonds deutlich günstiger und einfacher als vor 20 Jahren geordert werden können.



Bei den Mittelzuflüssen zu Aktienfonds habe ich aktuell zwei Charts erstellt.
Der erste Chart, Fonds weltweit, zeigt, dass zur Zeit eigentlich alle Fonds eher verkauft werden. Verkäufe sind langfristig eher positiv zu sehen. Der konsequente Verkauf von Aktien-, Misch- und Rentenfonds irritiert mich aber etwas.
Das soll nicht bedeuten, dass ich daraus etwas lese, sondern der Chart gibt mir derzeit tatsächlich keine Handlungshinweise.


Beim 2. Chart habe ich nur die Mittelzuflüsse in den USA ausgewertet. Interessant ist hier, dass in den USA schon seit Jahren Aktienfonds eher abgestoßen werden, was mich verwundert. Gerade in den USA hätte ich eher Mittelzuflüsse erwartet.
Vor Abwärtsbewegungen kam es in den jüngeren Vergangenheit auch stets zu stärkeren Mittelabflüssen. Diese Warnung kommt jetzt aber etwas zu spät.



Talk of the Town

Wenn alle über die Börse sprechen, sind wahrscheinlich auch alle investiert. Wenn alle investiert sind fehlen diejenigen, die mit Käufen die Kurse weiter ansteigen lassen.

Dieser Punkt ist immer schwer auszuwerten. Ich beobachte deshalb z.B. regelmäßig die Bild-Zeitung, wie positiv gegenüber Aktien diese ist. Aber hier sehe ich noch keine Euphorie.
Finanzzeitschriften werden aus meiner Sicht auch wieder mehr, aber auch hier sehe ich keinen Boom.

Beim Talk of the Town sehe ich daher noch keine Euphorie. Wobei ich aber auch der Auffassung bin, dass man ein Milchmädchen-/Taxifahrerhausse auch nur alle 25-30 Jahre sieht. Dazwischen wird man einen Crash nicht so leicht am Thema Börse ablesen können.


Fazit?

Ich tu mich aktuell sehr schwer mit einem Fazit, sehe aber inzwischen immer mehr Warnzeichen am Horizont.
Aus meiner Sicht ist insbesondere die Zinssituation kompliziert.
Während in der EU, also bei uns, die Zinsen noch gesenkt wurden, wurden die Zinsen in den USA erhöht. Da ich die FED immer noch als Maßgebend ansehe, gebe ich hiermit auch lieber eine vorsichtige Warnung aus.
Ich halte das Risiko von weiteren Kursrückgängen immer noch für sehr wahrscheinlich.

Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass ich keine große Euphorie ähnlich 2000 oder 2008 sehe.
Das bedeutet, dass ich langfristig immer noch stark steigende Kurse erwarte. Ein Kursziel von 15-20.000 Punkten beim DAX bis 2025 halte ich durchaus für realistisch.

Jeder Anleger und auch jeder Leser meines Blogs muss sich jetzt überlegen, ob nun sein Depot vorübergehend verkauft oder ob er investiert bleibt.

Wer investiert bleibt ist der Gewinner, wenn es plötzlich wieder bergauf geht. Ich kann aktuell auch nicht ausschließen, dass der DAX aus dem Nichts Richtung 12.000 Punkte marschiert. Das Risiko ist aber, dass der DAX vielleicht auch Richtung 8.000 Punkte geht.

Wer verkauft ist der Gewinner, wenn der DAX fällt und er sich günstig wieder mit Aktien eindeckt. Wenn der DAX aber steigt, wird der Verkäufer teurer nachkaufen müssen oder er bleibt am Seitenrand stehen.

Ich persönlich bleibe aktuell noch investiert, da meine Aktienanlage langfristig orientiert ist. Einen Kurseinbruch würde bis 8.000 Punkte würde ich aussitzen.
Ob dass die beste Taktik ist kann ich aber nicht garantieren.


Vorherige Analysen:
http://daxtrend.blogspot.de/2015/06/investmentfonds-juni-2016-26-kw.html
http://daxtrend.blogspot.de/2015/09/kostolany-analyse-september-2015-37-kw.html
http://daxtrend.blogspot.de/2016/02/rentenindikator-februar-2016.html

Kommentare

  1. Hallo Stefan,

    Erstmal: freue mich wieder eine Kostolany Analyse von Dir zu lesen! Habe Deine Seite schon seit längerem gebookmarked (kurz bevor Du die Domain umgestellt hast habe ich Dich zum ersten mal „entdeckt“). Ich habe selber von diversen Kostolany Büchern eine Bewertungsmatrix für Aktienmärkte abgeleitet. Die unterscheidet sich zwar von Deiner, weist aber natürlich nicht zufällig deutliche Parallelen auf. Auf der Suche nach Kostolany Content im Netz bin ich irgendwann über Deine Seite gestolpert. Großes Lob wie Du raffiniert aus Statistiken Kostolany Bewertungsfaktoren herleitest (z.B. bei Talk of the Town). Kostolanys Börsenlogik ist für mich immer noch state of the art – allem automatisierten Handel und Wandel zum Trotz. Von daher freue ich mich immer besonders eine neue Kostolany Analyse vor zu finden die den Markt gesamtheitlich qualitativ bewertet. Vielen Dank dafür – großes Lob!

    Schon das ein oder andere mal habe ich überlegt Deine Beiträge zu kommentieren bzw. diskutieren – diesmal soll es soweit sein ;-) Erlaube mir daher Deinen Beitrag unter die Lupe zu nehmen und – wenn Du Lust hast – freue ich mich auf Deine Antwort!

    - Umsatzanalyse: d‘accord. Warum guckt Kostolany auf die Umsätze? Um zu erkennen wenn die Zittrigen in den Markt eintreten und wild hin und her zocken. Die tendenziell leichte Erhöhung ist hierfür kein Zeichen!

    - Zinsentwicklung: hier bin ich mal nicht Deiner Meinung. In Kostolanys Formel für die mittelfristige Tendenz(=Geld+Psychologie) zahlt die Zinsentwicklung nicht auf die Psychologie sondern auf Geld ein. Und durch die lächerliche Zinserhöhung wird dem Aktienmarkt kein nennenswertes Geld entzogen.

    - Rentenindikator: hier ist mir Deine Berechnung leider nicht ganz klar. Magst Du die erläutern?

    - IPOs: ein längerfristiger Chart wäre interessant. Ich denke aber IPOs sind (nicht nur in der reinen Anzahl sondern auch von der Präsenz her) aktuell nicht sehr vordergründig. Wenn ich mich da an die mediale Begleitung in den 2000ern erinnere…

    - Investmentfonds: Hier sagst Du zum einen: „Verkäufe sind langfristig eher positiv zu sehen.“ Würde ich instinktiv auch so sehen. Allerdings ist mir hier keine Kosto-Interpretation/Aussage zu bekannt? Wie interpretierst Du das?
    Zum anderen sagst Du: „Vor Abwärtsbewegungen kam es in den jüngeren Vergangenheit auch stets zu stärkeren Mittelabflüssen“. Steht das nicht im Gegensatz zu oben? Wie siehst Du inhaltlich den Zusammenhang zwischen Mittelabflüssen und Abwärtsbewegungen? Wie ist die Logik?

    - Talk of the Town: hattest Du hier nicht mal Verkaufszahlen für Börsenzeitschriften? Kennst Du da noch die Quelle? Gefühlt bin ich aber vollkommen d‘accord – kein Hype.

    Fazit: ich bin etwas optimistischer als Du. Insbesondere den von Dir negativ (weil psychisch) interpretierte Zins interpretiere ich geld-technisch und halte ihn mittelfristig (Du wahrscheinlich kurzfristig) für äußerst positiv! Die Psychologie beurteile ich als richtungssuchend neutral (mal überwiegen die Bullen, mal die Bären). Damit ergibt sich für mich mittelfristig eine gemäßigt aufwärtsgerichtete Börse.
    Kurzfristig kann es immer mal noch ein paar Prozentpunkte nach unten gehen. Aber die Geldschwemme wird die Märkte früher oder später wieder nach oben spülen.

    Würde mich freuen Deine Meinung/Kommentare zu hören.

    Gruß
    Frank

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